Arcane Shift: Spielend Daten Sammeln
Wie nehmen Menschen ihre Umgebung wahr? Wieso ist dies wichtig in zukunftsorientierter (Stadt-) Planung? Und was haben ortsbasierte Spiele mit Landschaftswahrnehmung zu tun? In einem vom Schweizer Nationalfond finanzierten Projekt entwickelt Manuel Bär an der Universität Auckland in Neuseeland und an der Universität Tampere in Finnland eine unterhaltsame partizipative räumliche Datensammlungsplattform.
Alltägliche Landschaften - die Orte, in denen wir wohnen, arbeiten und uns erholen - sind tief mit unserem mentalen, sozialen und physischen Wohlbefinden verwurzelt. Öffentliche Räume bieten Platz für erfreuliche soziale Interaktionen, Parks laden zum Verweilen und zum Ausüben verschiedenster Sportarten ein und gut beleuchtete Strassen verleihen ein Gefühl von Sicherheit. Zudem erfüllen städtische Gebiete eine Vielzahl von ökologischen Dienstleistungen. Urbane Grün- und Blauflächen reduzieren zum Beispiel die Überschwemmungsgefahr einer urbanen Umgebung und mitigieren den Hitzeinsel effekt. Jedoch werden bei Planungsverfahren noch zu selten die Meinungen und Wahrnehmungen der lokalen Bevölkerung in Betracht gezogen. Insbesondere jüngere Menschen sind in den traditionell genutzten Daten unterrepräsentiert, was weitgehende Folgen beim Erarbeiten eines nachhaltigen Nutzungskonzeptes mit sich bringt. Das ortsbasierte Spiel Arcane Shift soll dazu beitragen, die Wahrnehmungen von bisher marginalisierten demographischen Gruppen in die unterliegenden Datensätze einzubeziehen. Das Spiel wird basierend auf wissenschaftlichen Ansätzen wie das Mechanics, Dynamics and Aesthetics Framework (Hunicke et al. 2004) und das Gamification Framework for Volunteered Geographic Information (Martella et al. 2015) entwickelt und beinhaltet Elemente von bekannten Spielen wie Pokemon Go und Siedler von Catan.
Spielmechaniken
Spieler*innen verfügen über ein futuristisches Raumschiff, wobei das Raumschiff sich im Spiel nur bewegt, wenn die spielende Person sich in der echten Welt bewegt. Der Standort der Spielfigur ist also an die Koordinaten der Person gekoppelt. Nun haben Spielerinnen und Spieler das Ziel, möglichst viel von der Welt für ihre Fraktion zu erkunden. Spieler*innen können verschiedene Ressourcen sammeln, diese zu neuen Elementen zusammenschmieden, um sie dann für Gold zu verkaufen. Sie können ihr Raumschiff weiterentwickeln und Gebiete im Spiel bebauen, um sie für ihr Team zu beanspruchen. Sie können sich gegen computergesteuerte Gegner wehren und Inspirationspunkte für ihre Fraktion sammeln. Wissenschaftlich relevante Daten werden durch modulare Missionen im Spiel gesammelt. Basierend auf dem momentanen Standort einer spielenden Person werden im Spiel verschiedene Missionen generiert. Diese können an die Datenbedürfnisse eines Gebietes oder Forschungsprojektes angepasst werden und beinhalten zum Beispiel das Bewerten der Sauberkeit eines Parks, über das Verfassen eines Landschaftbeschriebs, bis hin zum Hochladen eines Fotos oder Videos. Mit diesem Spiel soll erforscht werden, ob partizipatorische wissenschaftliche Datensammlung durch unterhaltende Elemente motiviert werden kann und wie unterrepräsentierte Demographiken ihre alltäglichen Landschaften wahrnehmen.
Aktueller Stand
Das Spiel steht momentan noch in der Entwicklungsphase und soll in den nächsten 6 Monaten in Finnland getestet werden. Aufgrund des modularen Aufbaus der Missionen kann das Spiel für jede Fragestellung an jedem Standort angepasst werden und ist somit für eine Vielzahl an planerischen und wissenschaftlichen Vorhaben interessant.
Kontakt
Dr. Manuel Bär
Postdoctoral Fellow
Gamification Group, Tampere University
Projekt Homepage: www.arcaneshift.com
Persönliche Homepage: www.spatialsparks.com
Email: spatialsparks@gmail.com





