Gemeinsam für eine starke Spieleforschung in Deutschland: GI-Fachgruppe Entertainment Computing bündeln Perspektiven
Köln, 27. August 2026 – Die Deutsche Gesellschaft für Spielwissenschaft e.V. (DGSW) und die Fachgruppe Entertainment Computing der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) wollen künftig im Bereich Games-Forschung kooperieren. Anlässlich des gamescom congress 2026 kündigen beide Organisationen an, ihre jeweiligen Perspektiven und Netzwerke stärker miteinander zu verbinden. Gemeinsames Ziel ist es, Forschung, Lehre, Entwicklung und Transfer rund um Spiele in Deutschland weiter voranzubringen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu intensivieren.
Zwei Perspektiven auf ein gemeinsames Forschungsfeld
Die Deutsche Gesellschaft für Spielwissenschaft e.V. versteht sich als interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft für Spielwissenschaft in Deutschland. Sie verbindet Forschung, Lehre, Entwicklung und Transfer rund um analoge und digitale Spiele und führt dabei Perspektiven aus Geistes-, Sozial-, Natur-, Design- und Ingenieurwissenschaften zusammen. Im Mittelpunkt stehen Spiele als kulturelle, gesellschaftliche, technische und gestalterische Phänomene sowie ihre Entwicklung, Nutzung und Wirkung. Die DGSW schafft dafür eine gemeinsame Plattform für den wissenschaftlichen Austausch und die Vernetzung unterschiedlicher Disziplinen und Anwendungsfelder.
Die Fachgruppe Entertainment Computing ist innerhalb der Gesellschaft für Informatik in den Fachbereichen Mensch-Computer-Interaktion (MCI) und Graphische Datenverarbeitung (GDV) verankert. Sie setzt einen besonderen Schwerpunkt auf die informatischen Aspekte von Spielen und spielerischen interaktiven Systemen. Dazu gehören technische und algorithmische Fragestellungen ebenso wie Mensch-Computer-Interaktion, Gestaltung und Evaluation digitaler Systeme. Computerspiele bilden einen Kernbereich; das Themenfeld umfasst darüber hinaus insbesondere Serious Games – Spiele mit einer charakterisierenden Zielsetzung abgesehen von der reinen Unterhaltung, beispielsweise Lerneffekte, Verhaltensänderungen für ein gesundes Leben oder Awareness für gesellschaftlich relevante Aspekte wie Umwelt, Klima, Energie und Sicherheit/Resilienz.
Die beiden Perspektiven ergänzen sich: Während die GI-Fachgruppe insbesondere den Beitrag der Informatik und der zugrunde liegenden Technologien in den Blick nimmt, adressiert die DGSW das Spiel als umfassenden interdisziplinären Forschungsgegenstand. Viele zentrale Fragestellungen liegen genau an der Schnittstelle dieser Perspektiven.
„Wenn wir unsere Perspektiven und Netzwerke bündeln, können wir der Spieleforschung in Deutschland gemeinsam mehr Sichtbarkeit und Gewicht geben und zugleich tiefere Verbindungen zwischen den Disziplinen schaffen. Genau darin sehen wir die Stärke der Spielwissenschaft: nicht in der Abgrenzung einzelner Fachrichtungen, sondern darin, unterschiedliche Perspektiven auf das Spiel zusammenzubringen“, sagt Prof. Stephan Jacob, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Spielwissenschaft.
Gemeinsame Themen von Serious Games bis KI
Besonders deutlich wird diese Verbindung in Forschungs- und Anwendungsfeldern wie Serious Games. Ihre Entwicklung erfordert leistungsfähige technische Systeme und Methoden der Informatik, zugleich hängen Gestaltung, Einsatz und Wirkung entscheidend von Erkenntnissen etwa aus der Pädagogik, Psychologie, Design oder den jeweiligen Anwendungsbereichen (z.B. Gesundheit/Medizin, Bildung/Pädagogik) ab.
Ähnliche Schnittstellen entstehen durch aktuelle Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz in der Spieleentwicklung, neue Formen der Mensch-Computer-Interaktion, immersive Technologien oder den Einsatz spielerischer Systeme in Bildung, Gesundheit, Wissenschaft und Gesellschaft.
„Digitale Spiele haben einen starken informatischen Kern, zugleich verbinden sie Fragestellungen aus zahlreichen Disziplinen. Genau an diesen Schnittstellen wollen wir gemeinsam ansetzen: die jeweiligen Perspektiven und Communities zusammenbringen, Forschungsbedarfe identifizieren und daraus neue Impulse für Forschung und Transfer entwickeln“, sagt Dr.-Ing. (habil.) Stefan Göbel, Sprecher der Fachgruppe Entertainment Computing der Gesellschaft für Informatik.
Gemeinsame Schnittstellen stärken
DGSW und GI-Fachgruppe Entertainment Computing wollen ihre unterschiedlichen Profile bewusst nutzen, um gemeinsame Themen dort voranzutreiben, wo mehrere wissenschaftliche und praktische Perspektiven gefragt sind. Geplant ist ein verstärkter gegenseitiger Austausch bei Veranstaltungen, Forschungs- und Transferaktivitäten sowie bei Themen und Positionen von gemeinsamem Interesse.
Ein weiterer Schwerpunkt soll darauf liegen, Bedarfe, Interessen und Wünsche der unterschiedlichen Communities systematischer zusammenzuführen. Auf dieser Grundlage möchten beide Organisationen dazu beitragen, Perspektiven für die zukünftige Spieleforschung und ihre Förderung in Deutschland sichtbar zu machen. Dabei soll auch stärker herausgearbeitet werden, welchen Beitrag Forschung an und mit Spielen im Sinne von Spillover-Effekten für andere Anwendungs- und Forschungsgebiete leisten kann.
Die Zusammenarbeit soll zugleich bestehende Communities stärker miteinander vernetzen und neue Kontakte zwischen Forschenden, Lehrenden, Studierenden, Spieleentwicklerinnen und Spieleentwicklern sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren aus relevanten Anwendungsfeldern ermöglichen.
Beide Organisationen freuen sich über neue Mitglieder und Interessierte, die sich an der weiteren Entwicklung des Forschungsfeldes beteiligen möchten.
Deutsche Gesellschaft für Spielwissenschaft e.V. (DGSW)
https://www.spiel-wissenschaft.de/
Die DGSW steht Forschenden, Lehrenden, Studierenden und weiteren Akteurinnen und Akteuren der Spielwissenschaft offen. Informationen zur Mitgliedschaft sind auf der Website verfügbar.
Fachgruppe Entertainment Computing der Gesellschaft für Informatik e.V.
Interessierte aus der Informatik, Forschung, Lehre und Praxis sind herzlich eingeladen, sich in die Arbeit der Fachgruppe einzubringen.
Pressekontakte
Deutsche Gesellschaft für Spielwissenschaft e.V.
Prof. Dipl.-Inf. Stephan Jacob, stephan.jacob@h-da.de
Fachgruppe Entertainment Computing der Gesellschaft für Informatik e.V.
Dr.-Ing. (habil.) Stefan Göbel, stefan_peter.goebel@tu-darmstadt.de
Prof. Dr.-ing. Florian Mehm, florian.mehm@wb-fernstudium.de